Embodimentübungen zur Selbstregulation

Embodimentübungen zur Selbstregulation

Embodimentübungen zur konstruktiven Selbstregulation

Das Konzept Embodiment geht davon aus, dass der Geist (Verstand, kognitives System und Psyche) und der Körper in wechselseitigem Zusammenspiel verbunden sind. Der Geist mit seinem Organ, dem Gehirn, steht immer in Bezug zum gesamten Körper. Uns interessiert dabei vor allem die konkrete Bedeutung von Embodiment: Die Fähigkeit, Emotionen über unseren Körper auszudrücken.

Sie fragen sich, warum?

Embodiment trägt konstruktiv dazu bei, die Fähigkeit zur Selbstregulation und Selbstfürsorge zu entwickeln und zu stabilisieren.

Embodimentübungen fördern die Fähigkeit, sich aus schwierigen Situationen, Gedanken und Emotionen herauszubringen und neue Handlungsräume zu schaffen.

Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und lassen eine schwierige Situation, Denkmuster oder Emotion Revue passieren, die Sie vor kurzem oder aktuell durchlebt haben. Spüren Sie, wie tief Sie in dieses Erleben verstrickt waren. Wie dieses Gefangensein in diesen Inhalt (Gedanke, Emotion, Körperempfindung) Sie daran hinderte, konstruktiv zu handeln.

Was zunächst theoretisch und abstrakt klingt, lässt sich am besten an drei konkreten Embodimentübungen erleben:

1. Die Durchhängerübung

Öffnen Sie im Stand die Arme einatmend nach oben. Senken Sie ausatmend den Oberköper nach unten. Arme, Schultern, Nacken im Hängen lockern. Sobald das Gesäß nach oben kommt, strecken Sie die Beine soweit, wie sich Ihre Muskeln dazu eingeladen fühlen. Lassen Sie sich aus den Hüftgelenken heraus hängen. Lassen Sie  die Hüftgelenke sich entspannen und weit werden. Es gibt nichts zu erzwingen oder zu forcieren. Sie können mehrere Atemzüge (3-5 Atemzüge) lang durchhängen, so lange, wie es sich angenehm für Sie anfühlt. Seien Sie gut zu sich selbst. Dann richten Sie einatmend den Oberkörper wieder auf.

Variante: Verbinden Sie das Hängen mit Geräuschen wir Seufzen, Gähnen oder einem tiefem Ausatmen. Oder schütteln Sie den Kopf als würden Sie ein „Nein“ formulieren (Nein, nicht mit mir!“)

Tipp: Erlauben Sie sich täglich einen Durchhänger!

Ausnahme: Nicht bei verletzter oder beeinträchtigter Wirbelsäule ausüben!!

Wirkung:

  • das Energiesystem des Körpers wird angeregt, sie fühlen sich frischer und entspannter
  • Sie lösen emotionalen Druck: Lassen Sie negative Gefühle, wie Unmut, Überfordertsein, Ärger heraus
  • Sie lernen, konstruktiv mit eigenen Grenzen umzugehen
  • Sie schaffen sich neue Handlungsspielräume

 

2. Die Hockübung

Alternative zum Hängen oder als Vorübung zum Hängen

Stehen Sie bequem und lassen Sie das Gesäß zum Boden sinken. Wenn möglich, berührt die ganze Fußsohle den Boden. Wenn nicht, bleiben Sie auf den Fußballen. Senken Sie das Gesäß so tief wie möglich. Beugen Sie den Oberköper zwischen den Knien nach vorne.

Variante 1: Auch Ellenbogen und Unterarme können dabei auf dem Boden ruhen, während das Gesäß  weiter unten bleibt. Spüren Sie die Dehnung entlang der ganzen Wirbelsäule.

Variante 2: Strecken Sie während Sie in der Hocke bleiben, Arme und Hände nach vorne aus. Der Kopf ruht dabei entspannt zwischen den Armen.

Spüren Sie das Aufdehnen der Wirbelsäule im Rücken.

Wirkung:

  • das Hocken öffnet und entspannt das Lumbosacralgelenk (Gelenk zwischen dem 5. Lendenwirbel und dem Kreuzbein)- und das Iliosacralgelenk (Verbindung zwischen Kreuzbein und Darmbein)
  • stabilisierende Wirkung, wenn wir uns gehetzt, ängstlich oder ärgerlich fühlen
  • Energiesysteme des Körpers werden angeregt und freigesetzt

 

3. Übung Pferdeschnauben

Legen Sie die Lippen locker aufeinander und blasen Sie kräftig Luft zwischen ihnen durch.

Wirkung:

  • löst die Spannung der Muskeln um unseren Mund. Sind diese Muskeln angespannt, kann das Gefühl entstehen, benachteiligt zu sein, d.h. etwas nicht bekommen zu haben. Durch das Pferdeschnauben löst sich diese Spannung.
  • das Pferdeschnauben bringt uns zum Lachen, was immer spannungslösend ist.
  • durch das Pulsieren des Gewebes und die erhöhte Flüssigkeitszufuhr um den Mundbereich, entspannen sich auch die Lippenfältchen

Ich wünsche Ihnen beim Üben viel Spaß, Offenheit und Neugier!