Blogeintrag: Schmerz lass nach!

Blogeintrag: Schmerz lass nach!

Bei akutem Schmerz haben wir es mit einer plötzlichen Erkrankung oder Verletzung einer Körperstelle zu tun. Die Ursache lässt sich meist konkret behandeln und der Schmerz klingt nach der akuten Phase wieder ab. Bei chronischem Schmerz verhält es sich dagegen weitaus diffiziler: der ursprüngliche Auslöser ist bei chronischem Schmerz häufig nicht mehr zu erkennen. Während wir bei akutem Schmerz eher dazu neigen, umgehend einen Experten aufzusuchen, zögern wir, wenn uns die Ursache selbst diffus erscheint.

Bei Schmerzen, die über einen längeren Zeitraum (mehr als drei bis sechs Monate) anhalten, ist es wichtig, diese ernst zu nehmen und sich in die Hände eines Experten zu begeben. Das Gehirn bildet ein „Schmerzgedächtnis“, indem es jede Schmerzinformation speichert. Je häufiger das Gehirn nun diesen Schmerzreiz empfängt, umso sensibler reagiert es.

Dabei werden Nervenzellen nicht mehr abgeschaltet und melden dem Gehirn weiterhin starke Schmerzen, obwohl schon längst kein Auslöser mehr vorhanden ist. Das Ausschütten körpereigener Endorphine zur Schmerzlinderung stellt sich nach sechs Monaten ein.

Damit beginnt bei chronischen Schmerzpatienten häufig eine Leidensspirale. Vor allem dann, wenn die Schmerzen nicht adäquat behandelt werden. Ergänzend zu einer Behandlung von fachlich versierten Schmerzärzten und Schmerztherapeuten können wir selbst unterstützend dazu beitragen, unsere Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Entscheidend ist es, das Wesen des Schmerzes zu verstehen. Damit eröffnen sich Möglichkeiten, mit dem Schmerz besser umzugehen.

Hilfreich ist es, den Blick nach innen zu richten und zu hinterfragen:

  • Woher kommt der Schmerz und was hat es mit diesem Schmerz auf sich?
  • Wann ist der Schmerz besonders ausgeprägt?
  • Wann verändert sich das Schmerzempfinden?
  • Welche Techniken und Übungen bringen Linderung?
  • Wie verhalten sich Stressempfinden und Schmerzempfinden zu einander?
  • Wie lassen sich persönliche Bewertungsmuster in Bezug auf Stress und Schmerz verändern?
  • Wie tragen Gefühle und Gedanken zu einem besseren Umgang mit dem Schmerz bei?
  • Welche Aktivitäten bringen Freude und Momente von Wohlbefinden?
  • Welches Schlafverhalten tut gut?
  • Welche Ernährungsweise unterstützt das Wohlbefinden?

Den Blick nach außen zu richten, ist eine weitere Quelle der Unterstützung:

  • Welche Kontakte tun gut?
  • Hilft ein Austausch in einer Gruppe von Betroffenen?
  • Welche Aktivitäten mit anderen tun gut?
  • Gibt es neue Ansätze in der Schmerzforschung?
  • Welche Netzwerke geben Motivation und Selbstvertrauen?
  • Welche Unterstützung ist am Arbeitsplatz gegeben: Lässt sich gegebenenfalls etwas verbessern (ergonomisch, organisatorisch)?
  • Welche Unterstützung ist in der Familie gegeben: Lässt sich gegebenenfalls etwas verbessern (Aufgabenverteilung, Abläufe verbessern, Kommunikation)
  • Welche Unterstützung von außen kann Erleichterung in den Alltag bringen: Organisatorisch, finanziell, medizinisch, therapeutisch, pflegerisch, psychisch?