#1: Was bedeutet Resilienz?

#1: Was bedeutet Resilienz?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

herzlich willkommen zur Blogreihe über ResilienzHeute erfahren Sie, was hinter diesem Begriff steht und erhalten einen kurzen Überblick über die Resilienzforschung. Natürlich widmen wir uns auch der Frage, wie Sie persönlich von Strategien zur Resilienzförderung profitieren können.

In den nächsten Blogbeiträgen geht es um das Thema Resilienz und ArbeitsweltSie erfahren, wie Sie Ihre Widerstandskraft als Mitarbeiter stärken, Ihre eigene als Führungspersönlichkeit festigen und wie Sie als Führungskraft die Ihrer Mitarbeiter fördern.

Freuen Sie sich auf die kommenden Blogausgaben!

Achtsame Grüße

Ulrike Kopp

 

Was ist Resilienz?

Der Begriff Resilienz stammt ursprünglich aus der Physik und bezeichnet in der Werkstoffkunde die Fähigkeit eines Werkstoffes, sich verformen zu lassen und dennoch in die ursprüngliche Form zurückzufinden.

Lateinisch: „resilire“: zurückspringen, abprallen

Englisch: „resilience“: Spannkraft, Elastizität

Deutsch: Widerstandskraft, Widerstandsfähigkeit

 

Auf den Menschen übertragen bedeutet Resilienz die Fähigkeit eines Menschen, Belastungssituationen Stand zu halten (Spannkraft), sich der Situation anzupassen (Elastizität) UND dabei die Grundform entweder zu bewahren (Belastung von sich „abprallen zu lassen“) oder in die Grundkonstitution zurückzukehren („zurückzuspringen“).

Psychische Resilienz als innere Widerstandskraft ist heute die am meisten verwendete Begriffsdefinition. Menschen, die eine hohe Resilienz aufweisen, besitzen die Fähigkeit zum Krisenmanagement, das heißt, sie können Krisen bewältigen. Dabei greifen Sie auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zurück und nutzen Krisen als Anlass sich weiter zu entwickeln.

 

Entwicklung der Resilienzforschung

Kommen wir kurz zur Entwicklung der Resilienzforschung und was sie uns im Hinblick auf ein tieferes Verständnis zu bieten hat.

In den 1950er Jahren führte der Psychologe Jack Block den Begriff Resilienz in die Psychologie ein. In der früheren Forschung wurde insbesondere die spezielle Eigenschaft von Kindern untersucht, denen es gelang, psychische Gesundheit in schwierigen Lebenssituationen zu erhalten.

Die Entwicklungspsychologin Emmi Werner erforschte die Grundlagen von Resilienz. Sie beobachtete auf der Hawaii-Insel Kauai 40 Jahre lang Kinder, die unter schwierigen Bedingungen aufwuchsen. Biologische und psychosoziale Risikofaktoren in der Entwicklung der Kinder wurden dabei untersucht. Ein Drittel der Risikokinder entwickelten sich zu fürsorglichen, kompetenten und selbstbewussten Erwachsenen.

Was half Ihnen dabei?

Das Team um Emmi Werner entdeckte drei Schutzfaktoren, die wesentlich zur Resilienz beitragen. Personale Faktoren wie ein hohes Selbstwertgefühl, Hilfsbereitschaft und das Bewusstsein, Probleme durch eigenes Handeln bewältigen zu können (Selbstwirksamkeit).

Familiäre Schutzfaktoren wie die Unterstützung durch eine Betreuungsperson aus dem familiären Umkreis. Umfeldfaktoren wie positive Rollenvorbilder aus dem sozialen Umfeld wie Schule, Freunde, Nachbarn, Gemeinde, Kirche.

Auch Forscher wie Viktor Frankl, Aaron Antonovsky und Moskowitz widmeten sich der Frage, wie es Menschen gelingt, schlimmste Lebensbedingungen wie z.B. das Leben in Konzentrationslagern, zu überleben und Strategien zur Gesundheitsentstehung- und erhaltung zu entwickeln.

 

Was ziehen nun wir als positive Ansätze aus der Fähigkeit zur Resilienz?

Die gute Botschaft: Jeder Mensch verfügt über gewisse Resilienzfaktoren.
Die noch bessere Botschaft: Resilienzfaktoren können bewusst aktiviert, trainiert und erweitert werden!

 

Auf welche Resilienzfaktoren kommt es an?

Selbstwirksamkeit: Die Überzeugung, Probleme durch eigenes Handeln bewältigen zu können. Selbstwirksamkeit steht dafür, Selbstverantwortung zu übernehmen und Probleme lösungsorientiert anzugehen. Sie ist durch ein aktives Gestalten der eigenen Lebenswirklichkeit geprägt

Selbstwertgefühl: Das Wissen und das Vertrauen um die persönlichen Stärken, Kompetenzen und Erfolge. Die Fähigkeit, Geleistetes selbst anzuerkennen und sich Erfolge bewusst zu machen. Basis für ein hohes Selbstwertgefühl ist ein guter Zugang zu den eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Zielen

Kohärenzgefühl: Das Gefühl von Stimmigkeit oder Sinnhaftigkeit (meaningfulness). Im Deutschen entspricht es einem überpersönlichen Urvertrauen. Es steht in Zusammenhang mit Wertesystemen und Verbundenheit (wie z.B. zu kulturellen und sozialen Gruppen). Aus dem Gefühl der Verbundenheit entsteht die Bereitschaft, sich sozial zu engagieren und anderen zu helfen

Positives Denken: Konstruktive Einstellungen, Überzeugungen und Glaubensgrundsätze, die sich aus einem positiven Weltbild und positiven Selbstbild heraus entwickeln

Selbstfürsorge: Die Fähigkeit, für sich selbst Sorge zu tragen. Sich zu erlauben, auf sich zu achten. Sich mit Ressourcen (Energiequellen) zu versorgen, die einem gut tun und darauf zu achten, persönliche Belohnungssysteme zu aktivieren

Distanzieren: Die Fähigkeit, Distanz zu wahren und sich nicht von schwierigen Situationen überwältigen zu lassen. Distanz zu schaffen bei destruktiven Gedanken und Emotionen ohne von diesen mitgerissen zu werden

 

Wie Sie diese Resilienzfaktoren im beruflichen Kontext aktivieren und erfolgreich aufbauen, erfahren Sie in den kommenden Blogbeiträgen.

Die nächste Ausgabe erwartet Sie direkt nach den Osterfeiertagen!